Mit dem Motorrad durch Santander
- Simon Gygax
- 17. Mai 2023
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. Mai 2023
Santander
Von Motorrad-Crashkursen mit Taubstummen, Ziegen als Strassenblockaden, wahnisinnigen Ausblicken und Erlebnissen in einem der spannendsten Distrkiten Kolumbiens.

In Bucaramanga gibt es laut meiner eigenen Aussage mehr Motorräder als Menschen und mehr Motorrad-Werkstätte als Supermärkte. Die «Ciudad Bonita» (schöne Stadt) ist wie fast alle kolumbianischen Städte ein Ort, wo man mit dem Motorrad schneller ans Ziel kommt als mit jedem anderen Verkehrsmittel.
Ein Motorrad mieten zu wollen ist jedoch eine andere Geschichte. Drei Anbieter habe ich online gefunden, keiner von ihnen scheint wirklich zu existieren. Aufgrund der hohen Diebstahlrate scheint das Geschäft des Motorrad-Vermietens nicht sehr lukrativ zu sein. Ich klappere die Zone mit den meisten Motorrad-Werkstädten ab, frage einige Kontakte um Hilfe. Erst nach einem ganzen Tag der Suche finde ich schliesslich eine Garage, die mir ein Motorrad vermieten kann.
Vor lauter Euphorie vergesse ich, dass ich eigentlich gar nicht Motorrad fahren kann – ich weiss noch nicht einmal, wie man die Maschine startet. Das 15-jährige Mädchen, das mich bedient, scheint mir auch nicht helfen zu können. So muss es ein älterer, taubstummer Mann richten, der gerade die Strasse passiert. In Zeichensprache erklärt er mir das Einmal-Eins des Motorradfahrens, Gang-Schaltung inklusive. Ein paar klägliche Versuche auf einem Parkplatz und einige Nahtoderfahrungen später fühle ich mich bereit für die kolumbianischen Strassen. Dass in Kolumbien rechts gefahren wird, ist ein kleiner Trost. Von überall kommen Autos, Motorräder, Fahrräder, Fussgänger, Hunde und andere Lebewesen – geblinkt wird nicht, dafür gehupt – und das ständig.
Dafür ist das Strassensystem in Kolumbien sehr vorteilhaft aufgebaut. Anstelle von Strassennamen, um irgendwelche Halbberühmtheiten zu ehren, sind die Strassen hier schön logisch nummeriert, vertikal 1-200 und horizontal 1-200. Auch ohne Navi kommt man irgendwann schnell klar.
Bucaramanga ist die Hauptstadt des Distrikts «Santander». Die wenigsten Touristen, die Kolumbien bereisen, finden den Weg hierhin. Nach einer Woche Motorrad-Tour durch den Distrikt verstehe ich das kaum. Es gibt hier unglaublich viel zu sehen und zu erleben.
Zapatoca
Fährt man von Bucaramanga nach Zapatoca, ist der zweistündige Weg schon das Ziel. Der Weg führt über den «Cañón de las Iguanas» und über eine Brücke, die den Fluss Sogamoso überquert. Die Strassen sind gespckt mit Kakteen und exotischen Pflanzen, die Aussicht auf die Schlucht ist atemberaubend. Zapatoca selbst ist ein kleines Dorf mit traditionellen Häusern und auch sehr sehenswert. Von dort aus lassen sich viele Touren zu Wasserfällen, Lagunen und Aussichtspunkten unternehmen.
Chicamocha Cañón
Der Chicamocha Canyon ist nichts weniger als der zweitgrösste Canyon der Welt und das Markenzeichen des Distrikts Santander in Kolumbien. Fährt man von Bucaramanga nach San Gil, kann man ihn den ganzen dreistündigen Weg lang betrachten. Für umgerechnet 30 Euro kann man ihn mit dem Gleitschirm und für knapp 10 Euro mit der Gondel überqueren. Das Panorama ist unbeschreiblich.
Cepita
Über dem Chicamocha Canyon, zwischen Bucaramanga und San Gil, führt ein kleiner Feldweg zum Dorf Cepita. Der Feldweg ist sehr steinig. Ziegen und andere Hindernisse erschweren die Durchfahrt. Doch wenn es Lastwagen hierdurch schaffen, dann auch mein Motorrad. Der 12 Kilometer lange Weg lohnt sich. Cepita ist ein kleines Dorf mit Charme, von hier aus lassen sich spektakuläre Tageswanderungen machen und die Aussicht auf den Canyon ist spektakulär.
San Gil
Die kleine Stadt San Gil ist der bekannteste Ort des Distrikts. Die Leute kommen vor allem für Extremsportarten hierher. Neben River-Rafting und Bungeejumping gibt es einen Adventurepark, wo man kilometerlange Zip-Lines überqueren, Wasserfälle besteigen und durch den Dschungel klettern kann. Auch lassen sich diverse Tours und Ausflüge von dort aus starten – zum Beispiel nach Barichara, welches als das «schönste Dorf Kolumbiens» gilt. San Gil wird nie langweilig und ist immer einen Besuch wert.
«Las Gachas» in Guadeloupe
In Guadeloupe, ungefähr zwei Motorrad-Stunden südlich von San Gil, findet man ein beeindruckendes Naturspektakel. Es handelt sich um die «Gachas», einen Weg aus rötlichem Gestein, der mit mehr als 250 kleinen Natur-Jacuzzis geschmückt ist. Durch den ungefähr kilometerlangen Weg fliesst kristallklares Wasser, so dass man das Gefühl hat, sich mit den Wolken am Himmel zu bewegen. Zum Teil sind die Brunnen von Natur aus miteinander verbunden, sodass man hin- und her schwimmen kann. Auch lässt sich das nasse Gestein als Rutsche verwenden, um in die Jacuzzis zu rutschen. Das letzte mal hatte ich im Kindergarten so viel Spass.
Mesa de los Santos
Nur 40 Minuten von Bucaramanga entfernt befindet sich die Hochebene «Mesa de los Santos», Teil der Andenkette (Cordillera Oriental), in der Nähe der Chicamocha-Schlucht.
Auf 1700 Meter Höhe kann man die Aussicht begleitet von der berühmtesten kolumbianischen Kaffee-Sorte (Mesa de los Santos Kaffee) geniessen oder unzählige Wanderungen machen. Die spektakulärste Wanderung führ ungefähr zwei Stunden durch Gebüsche und über Steine zum Wasserfall «Santa Rita». In der Trockenzeit ist der Wasserstand der kleinen Laguna tief und der Strom des Wassers sehr niedrig. Man kann in der Lagune schwimmen und unter dem fast 100 Meter hohen Wasserfall duschen. Freier habe ich mich noch nie gefühlt. Zum Glück habe ich die Schlangen im Wasser erst am Schluss bemerkt.






















































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